Morgentau
 

Es blitzt ein Tropfen Morgentau im Strahl des Sonnenlichts,
ein Tag kann eine Perle sein und ein Jahrhundert nichts.


Gottfried Keller




Wie die Gedanken sind,

die du am häufigsten denkst,

ganz so ist

auch deine Gesinnung.

Denn von den Gedanken

wird die Seele gesättigt.


Marc Aurel


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Des Menschen Leben …

ist der vorbeihuschende Augenblick des Lebendigen,

ist unser Kinderspiel auf Erden,

ein Lichtschatten,

ein fliegender Vogel,

Spur eines fahrenden Schiffes,

Staub, Nebelhauch,

Morgentau und aufbrechende Blume.


Gregor von Nazianz




Wenn die Stimmen
des Alltags
schweigen,
beginnt meine Seele
zu erzählen.

Morgentau




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Ingrid
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende en famille :)
1.3.2019-16:52

Ausgewählter Beitrag

Kann man etwas lieben

und doch auch hassen? Vielleicht nicht ganz so krass, aber eben so gut wie … ?

Ja, man kann. Ich liebe dieses alte Häuschen, mag seine knarrenden Dielen, den einfachen alten Baustil, die Erinnerungen an schöne Jahre, das schnuckelige Wohnzimmer, das fast fertiggestellt war, wäre der Tod meines Mannes nicht dazwischen gekommen. Seither ist es in dem Zustand geblieben. Es ist sehr gemütlich, schön eingerichtet mit Möbeln und einem Kamin … alles von ihm selbst hergestellt und eingebaut. Aber er hat es nicht geschafft, die letzten Arbeiten durchzuführen, so, wie er es sich vorgestellt hatte. Und ich mag auch nicht, dass das jemand anderes tut … er kennt ja auch die Pläne nicht. Und so lange es funktioniert mit dem Holzofen, mag ich auch die Fußbodenheizung nicht anschließen. Das alles ist kein Problem für mich. Auch, dass ich nie ein richtiges Bad haben werde und so vieles nur halb fertig ist, kann ich verschmerzen. Ich brauch das alles nicht unbedingt, so lange es funktioniert.

Angst macht mir, dass solche Dinge passieren, wie diese Woche. Dass sie dafür sorgen, dass ich wieder in tausend Ängsten lebe, bei jedem komischen Geräusch aufhorche, und immer mit gemischten Gefühlen das Haus verlasse, weil ich nicht weiß, was mich bei der Rückkehr erwartet.

Das Haus ist sehr alt, war billig gebaut, denn die Großeltern waren auch einfache Leute, die kein Geld hatten. Es ist marode. Vieles, sehr sehr vieles ist schon umgebaut … alles in Eigenregie, wie man so schön sagt. Eigentlich hätten wir leichter ein neues gebaut … aber das wäre noch teurer gekommen … ging nicht mit vier Kindern und über viele Jahre nur einem Verdiener.

Ich kann das mit wenigen Worten nicht erklären.

Fakt ist, dass ich Angst habe, dass Dinge passieren, die sich nicht mehr reparieren lassen, die zu kostspielig sind oder die ich eines Tages nicht mehr bewältige, wenn ich wie das Haus „in die Jahre gekommen bin.“ Deshalb hasse ich es manchmal und wünschte, ich würde in einer kleinen Wohnung leben, wo ich nichts fürchten müsste. Keine Angst mehr. Überschaubar leben … nur ein paar Dinge haben.

Aber dort wäre ich todunglücklich und würde das alte Häuschen so sehr vermissen. Hier, wo ich zuhause bin. Wofür wäre dann die jahrelange Mühe gewesen? Die viele Arbeit, die nie ein Ende nahm und die es wohl auch nie genommen hätte, selbst, wenn er noch am Leben wäre.

Und wo würde ich meine Kinder empfangen … und was sollte mit all den Dingen geschehen, die er für seine Familie gebaut und gewerkelt hat? Das Haus trägt doch innen und außen seine Handschrift. Tausende Spuren, die er hinterlassen hat. Hier fühle ich mich ihm immer noch nah. Ich kann hier nicht weg, so lange ich mich noch bewegen und denken kann.


Es ist, wie es ist … und ich muss irgendwie versuchen, meine Ängste dahingehend zu bewältigen oder zumindest einzudämmen. Schließlich können immer und jederzeit Dinge passieren, die alles verändern oder gar für immer zerstören.

Es ist nur, dass mir das schon immer das Wichtigste im Leben war … innere und äußere Ruhe.

Einfach ein normales Leben mit Höhen und Tiefen. Auf der einen Seite die Aufgaben und Probleme, die zu lösen sind, auf der anderen die schönen Seiten, die uns das Leben schenkt.

Nur bitte keine Extreme. Aber genau das ist mein Problem. Es wurde mir ja schon einmal der Boden unter den Füßen weggezogen. Für andere wäre das nach 9 Jahren vielleicht kein Problem mehr, aber da ich hochsensibel bin, geht das bei mir nicht so einfach.


Was eigentlich los ist? Wir haben Januar …

Morgentau 04.01.2019, 14.53

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Kommentare zu diesem Beitrag

6. von Silberdistel

Vielleicht solltest Du es mal so sehen, liebe Andrea, dass Du das zu Ende führst, was Dein Mann für Euch begonnen hat. Denkst Du nicht, er würde sich freuen, wenn Du es, wenn leider auch ohne ihn, so hübsch und gemütlich hast, wie er es sich für Euch einst vorgestellt hat? Egal, wenn jetzt ein anderer die Arbeiten ausführt, wichtig ist doch, dass Du die Träume Deines Mannes verwirklichst. Vielleicht kannst Du ihn so doch noch auf seiner Wolke 7 ein wenig glücklich machen und Dich selbst letztendlich auch, weil Du weißt, so hat er sich das alles für Euch vorgestellt. Ich glaube, ich würde es zumindest versuchen - in dem Rahmen, wie es mir möglich wäre. Dann wäre es am Ende noch ein wenig mehr Euer Haus. Es muss ja nicht alles und nicht auf einmal sein. Das ist ja letztendlich auch eine finanzielle Frage, wenn man nichts oder nicht viel selber machen kann. Aber einen Versuch wäre es mir an Deiner Stelle zumindest wert, denn Du scheinst dieses Häuschen doch mehr zu lieben als zu hassen.
Einen lieben Gruß und einen lieben Drücker schickt Dir die Silberdistel

vom 05.01.2019, 19.44
Antwort von Morgentau:

Der Gedanke ist schön, liebe Silberdistel, aber leider nicht umsetzbar, denn ich habe
weder die Begabungen meines Mannes, kann weder mit Metall noch Holz umgehen,
kann keine Rohre und Leitungen verlegen, keinen Außenputz anbringen, kein Bad
einbauen und vieles vieles mehr nicht ... und dies alles nach seinen Vorstellungen richten
zu lassen, dafür fehlt mir natürlich auch das Geld. Deshalb hat er ja alles allein gemacht.
Ganz davon abgesehen, dass mich fremde Männer im Haus total stressen. Ist ja auch so
ein Thema. Wie gesagt, Gedanken mach ich mir seit 9 Jahren darüber ... aber es gibt 
einfach keine Lösung. Das seh ich ja auch ein, aber es belastet mich trotzdem, und ab
und an muss ich da einfach mal was rauslassen ...

Danke, dass du dir Gedanken gemacht hast und für den Drücker ...
liebe Grüße zu dir!

5. von kelly

Moin liebe Andrea,
so ist es und du lieferst den Beweis für Treue...
Vieles was ich mit viel Mühe, Liebe und Entbehrungen aufgebaut habe ist nicht mehr meins. Gern schaue ich mir die Häuser noch an, gerade mein Liebling gedacht als Altersruhesitz, ist ein Schmuckstück und wird ebenso von den jetzigen Besitzern geliebt und eines meiner Elternhäuser wurde mir kürzlich zur Besichtigung angeboten.
Starke Erinnerungen und Gefühle hab ich an die ersten 12 Jahre meines Erdenleben dort...
Bei allen materiellen Verlusten sage ich mir - nur tote Dinge und es hat keinen Sinn vergeblich zu kämpfen.
Es bleibt die Erinnerung, die Träume und die Hoffnung!
Die Tage werden schon wieder länger und bald zeigt sich frisches Grün und Licht am Horizont.
Liebe Grüße!
Kelly



vom 05.01.2019, 07.26
Antwort von Morgentau:

Nun, bei mir waren es bisher nur die Wohnungen meiner Großeltern. Häuser gab es in
meiner Familie gar nicht. Dass die Wohnungen von anderen bewohnt werden, hat mir
nichts ausgemacht. Bin immer gern dort vorbei spaziert und hab mich erinnert.

Aber wenn etwas mit eigenen Händen erschaffen wurde, dann ist das schon etwas anders.
Für mich sind diese Dinge nicht tot, liebe Kelly ... sie und das Haus haben eine Seele.

Ein lieber Gruß zu dir!

4. von Mel

... wie gut ich dich verstehen kann ..dieser Zwiespalt, und deine tiefe Liebe zu deinem Häuschen, trotz allem ... und auch das mit den Extremen. Ich wünsche dir so sehr, dass sie ausbleiben. Dass du dich solch großen Sorgen nicht mehr stellen mußt. Und - was sind neun Jahre - ich könnte nie, nie darüber hinwegkommen..bitte nicht böse sein, wenn ich das so schreibe, aber für mich ist unverständlich, wenn das für jemanden kein Problem mehr wäre dann ..bin halt auch HS. Lass dich mal ganz ganz doll drücken :ok: ich denk fest an dich.
Deine Mel

vom 04.01.2019, 17.43
Antwort von Morgentau:

Ach, wäre das schön, liebe Mel. Danke für die lieben Wünsche!
Und für dein Verständnis. 
Er war halt so ein wunderbarer Mensch und ist für mich unersetzlich.
Ich kenne Menschen, die waren schon ein Jahr später wieder verheiratet.
Aber vielleicht konnten sie einfach nicht allein sein ... 
wer weiß. Jeder ist anders.

Ein lieber Abendgruß zu dir!

3. von Ellen

Da wir so sehr oft umgezogen sind, fällt es mir leichter, ein Zuhause loszulassen und mich auf ein neues Zuhause einzustellen. Bei anderen Dingen allerdings schmerzt das Verlieren immer noch so sehr, daß dieser Schmerz oftmals den ganzen Tag einnimmt. Von dem her weiß ich, was du fühlst oder fühlen würdest, wenn du dies Häuschen verlassen müßtest. Leider bleibt uns nicht alles im Leben erhalten, das wir so sehr lieben und auch brauchen.
Viele liebe Umärmels deine Ellen

vom 04.01.2019, 17.00
Antwort von Morgentau:

Häuftig umzuziehen, hinterlässt sicher auch Spuren in der Seele, eben auf eine
andere Art. So einfach ist das alles nicht, wenn man sensibel ist.
Das Loslassenmüssen gehört zum Leben, aber manchmal bringt es einen schier um ...

Danke für die Umärmels!

2. von Brigitte

Liebe Andrea, ich stand auch mal mit vor einer wichtigen Entscheidung. Mein Onkel wollte sein Elternhaus mit großem Garten in der Familie belassen, als seine Mutter ins Pflegeheim kam und bot meinen Eltern, der Schwester mit Mann und mir, mit 2-jährigem Sohn, lebenslanges Wohnrecht, ohne Miete, an. Das Haus war zu diesem Zeitpunkt im besten Zustand.
Meine Eltern, Pflegeeltern bzw Großonkel und Großtante, waren aber schon 70 und 73 Jahre und ich damals ohne Mann, um das Haus auf Jahre hin, reparaturmäßig in Ordnung zu halten. Ich bin techn. leider eine Vollniete und meine Pflegeeltern zwar besser drauf, aber damals mußte man in der DDR vieles alleine machen können, oder viel Geld für Handwerker haben, die nur schwer für Privat zu bekommen waren.
Das Haus wurde verkauft, in dem ich bis zu diesem Zeitpunkt
fast jedes Wochenende mit meinen Pflegeeltern verbrachte.
Dieses Haus liebte ich und es steht noch heute. Eine Garage wurde angebaut und zur Gartenseite eine Terrasse, wozu die Hauswand dazu aufgebrochen wurde.
Ich bin heute noch traurig, daß das Haus verkauft wurde.Es hat sogar Fachwerk.
Ich kann Deine Überlegungen voll verstehen und würde sicher auch so schlußfolgern.
Ich hoffe, Du wirst in Zukunft weiterhin reichlich Gemütlichkeit in Deinem Häuschen haben und die Reparaturstellen werden nicht zu riesig.
Alles Gute für Dich, tschüssi Brigitte.


vom 04.01.2019, 16.26
Antwort von Morgentau:

Es gibt schon Schicksale, an denen man ein Leben lang knabbert. Und doch hat man
machmal keine Wahl. Gerade in diesen Dingen. Ich konnte mir nie vorstellen, wie man
es verkraftet, das eigene Elternhaus an andere zu verkaufen, aber vielen bleibt gar nichts
anderes übrig. Ich stelle es mir jedenfalls schlimm vor, andere Menschen in dem Haus
zu wissen, das einst der Vater gebaut hat und in dem man seine Kindheit verbracht hat
oder aber die eigenen großgezogen hat.
Ich glaube, ich würde dort nie wieder hingehen.

Danke, dass du dich in meine Lage versetzt hast, liebe Brigitte. Ein lieber Gruß zu dir!


1. von Elena

Liebe Frau Morgentau,
ich darf folgesdes vorschlagen: achte auf gewisse Dinge im Haus, sei also durchaus aufmerksam und zur Stelle, wenn`s nötig ist, aber fürchte Dich bitte nicht bei jedem Hinweis auf eine eventuell gröbere "Störung". Die allermeisten Probleme/Schadensfälle lassen sich beheben - das hast Du ja schon oft erlebt - und sollte wirklich mal eine eingehendere Instandhaltung notwendig sein wird auch diese von Dir bewältigt werden; ganz bestimmt, Du hast schon so vieles geschafft!
Ich kann Dein Gefühl der Verbundenheit mit dem heimeligen alten Haus sehr gut nachvollziehen, meine ich.
Genieße das Leben im nicht mehr ganz jungen Gemäuer und vertraue darauf, daß kein großes Unglück passieren wird (und ein solches könnte schließlich, wenn schon, überall geschehen, auch in einer Wohnung).

Liebe Grüße
E.

vom 04.01.2019, 16.15
Antwort von Morgentau:

Es stimmt schon, liebe Elena, ich muss einfach ruhiger werden, weiß nur noch nicht,
wie ich es anstelle. Es ist auch nicht immer so. In dieser dunklen Zeit wirkt halt alles
noch "bedrohlicher" irgendwie.

Danke fürs Gedankenmachen und ganz liebe Grüße zu dir!